Fragen über Fragen …

Die kürzesten Wörter, nämlich ‚ja‘ und ’nein‘ erfordern das meiste Nachdenken.

(Pythagoras von Samos, Griechischer Mathematiker und Philosoph)

.

ID-10047682

Photo by sakhorn38

Eine interessante Feststellung. Haben Sie das auch schon bei sich oder bei anderen Menschen beobachtet? Wie schwer es uns manchmal fällt, gewisse Fragen mit einem einfachen „ja“ oder „nein“ zu beantworten. Oder ist es nur eine Frage der Techniken, die bei Fragestellungen angewendet werden. …?

Wenn man sich mit Fragetechniken, Fragekategorien und Frageformen auskennt und geübt in deren Anwendungen ist, weiß man ziemlich genau, wie man die Frage formulieren muss, um eindeutige Antworten zu erhalten (offene oder geschlossene Fragen beziehungsweise Suggestivfragen – doch das ist nicht alles; es gibt noch eine Menge andere Frageformen.)

Bei den offenen Fragen zum Beispiel haben wir mehr Handlungsspielraum unsere Antworten zu formulieren. Diese nageln uns nicht auf „ja“ oder „nein“ fest. Es sind die sogenannten W-Fragen, welche mit einem W-Wort beginnen. Diese Fragen lassen sic überwiegend nicht mit einem Wort oder einem Satz beantworten.

Ein paar Beispiele für die offenen Fragen:

  • Was war gestern Abend bei euch los?
  • Wer war noch dabei?
  • Wo hast du deine Frau gesehen?
  • Wann kam sie wieder nach Hause?
  • Wie hat sie es angestellt, dass du gar nichts bemerkt hast?
  • Warum hat sie das getan?

Bei offenen Fragen hat man also die Möglichkeit, mit mehr als einem Satz zu antworten, die nicht unbedingt die Worte „ja“ und „nein“ beinhalten müssen.

.

Bei geschlossenen Fragen sieht unser Beispiel so aus (Antwortmöglichkeiten „ja“ oder „nein“):

  • Hattet ihr Streit gestern Abend?
  • Waren auch eure Kinder dabei?
  • Hast du gesehen, dass deine Frau mit diesem fremden Mann im Café sitzt und mit ihm flirtet? Hast du sie beobachtet?
  • Ist sie denn wirklich so spät nach Hause gekommen?
  • Hat sie dir denn gar nichts erzählt, mit wem sie sich treffen würde?
  • Wärst du nicht eifersüchtig gewesen, wenn sie dir gesagt hätte, dass sie sich mit einem Arbeitskollegen trifft?

Geschlossene Fragen kann man also nur mit „ja“ oder „nein“ beantworten beziehungsweise erlauben sie  nur ganz spezifische Antworten.

.

Bei der Anwendung von Suggestivfragen wird keine Frage im herkömmlichen Sinne gestellt. Es wird viel eher beabsichtigt, die eigene Idee, Ansicht oder den eigenen Standpunkt auf die befragte Person zu übertragen, ihr dies zu suggerieren, um sie zu beeinflussen, zu manipulieren. Diese Frageform wird in der Psychologie, in der Medizin, in der Marktforschung und in Verkaufsgesprächen praktiziert.

Im alltäglichen Sprachgebrauch, im privaten Bereich werden Suggestivfragen allgemein akzeptiert, im öffentlichen Bereich jedoch eher abgelehnt.

Unser Beispiel für die Suggestivform:

  • Die Nachbarn haben erzählt, dass ihr euch gestern Abend gegenseitig angeschrien habt. Man hat es im ganzen Haus  gehört. Habt ihr so arg miteinander gestritten?

    ID-10033350

    Photo by photostock

  • Ihr hättet wenigstens auf die Kinder etwas mehr Rücksicht nehmen können. Sie waren doch auch daheim, oder?
  • Und du hast wirklich gesehen, wie deine Frau mit diesem fremden Mann im Café sitzt und mit ihm flirtet?
  • Hast du auf die Uhr geschaut, wie spät es bereits war, als sie nach Hause kam?
  • Es kann doch gar nicht sein, dass du nicht bemerkt hast, dass sie dir etwas verheimlicht – hattest du denn gar keine Ahnung?
  • Bist du dir wirklich sicher, dass sie dich nur eifersüchtig machen wollte, weil du in letzter Zeit so wenig mit ihr unternommen hast? Oder steckt doch mehr dahinter?

Solche und ähnliche Fragen in der Suggestivform werden eingesetzt um auf das Denken, Fühlen, Wollen oder Handeln einer Person einzuwirken. Sie beeinflussen den Befragten insofern, dass die Person von rational bestimmten Antworten (vernünftig, richtig) abgehalten wird.

.

Zurückkehrend auf das Zitat am Anfang des Beitrages:

„Die kürzesten Wörter, nämlich ‚ja‘ und ’nein‘ erfordern das meiste Nachdenken.“

ID-10066426

Photo by Ambro

In Zeiten des Pythagoras von Samos hat sich höchstwahrscheinlich niemand mit Fragetechniken, Frageformen beschäftigt. Fragen gab es immer schon, auch seinerzeit. Möglicherweise wurden die heutigen Fragetechniken damals mehr oder weniger unbewusst praktiziert.

Sonst hätte Pythagoras mit Sicherheit gewusst, dass man seinem Gegenüber auch die kürzesten Wörter, nämlich „ja“ und „nein“ mit einigen kurzen, gezielten Fragen entlocken kann, ohne längere, stumme Überlegungen des Befragten in Kauf nehmen zu müssen. Alles nur eine Frage der Fragetechnik …🙂

.

Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

.

(Recherchiert bei Wikipedia / Fragetechniken)