Die Starken, die unter Tränen lachen…

Stärken richtig einsetzen – beruflich & privat

Kennen Sie Ihre Stärken? Es gibt Menschen, deren Stärken im beruflichen Umfeld liegen. Andere wiederum besitzen spezielle Stärken, die ihnen in privaten Beziehungen (Partnerschaft, Ehe, Lebensgemeinschaft) zugute kommen und diese eine durchaus erfüllende, glückliche Beziehung ermöglichen. Doch es ist vermutlich gar nicht so einfach, für beide Bereiche die richtige Mischung zu finden.

Aber schauen wir uns ein Paar Stärken genauer an – welche der Stärken, die eine wichtige Rolle im täglichen Arbeitsablauf spielen, würde zum Beispiel jemand in einer Führungsposition eines Unternehmens brauchen? Folgende Eigenschaften könnten unter anderem unerlässlich sein:

Im Berufsleben (aus der Sicht der Führungskraft):

Selbstbewusstsein / Selbstüberzeugung / Autorität

  •  ich weiß, was ich kann
  •  ich kann Menschen führen
  •  ich zeige den anderen wo es langgeht

Team Player

  • ich spiele mit, aber ich überwache das Spiel der Teammitglieder

Berufliches Know-how

  • ich weiß was ich weiß
  • mir kann keiner was erzählen

Durchsetzungsvermögen

  • es wird gemacht, was ich sage
  • ich setze mich durch

Entschlusskraft / Entscheidungsfähigkeit

  • ich habe das letzte Wort, ich trage die Verantwortung

Analytische Fähigkeiten / Lösungsorientiert / Reklamationsmanagement

  • Welche Fehler wurden gemacht
  • Problemlösung
  • Was kann man in Zukunft besser machen

Softkills (Einfühlungsvermögen, Verständnis, Menschenkenntnis, Menschlichkeit)

  • ich versuche mein Bestes, doch ich kann es sowieso nicht jedem recht machen
  •  die Teammitglieder sollten eventuelle persönliche Unstimmigkeiten untereinander selbst klären;
  • sie müssen zusammenarbeiten und sollten es schaffen, gut miteinander auszukommen, zu harmonieren

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Wie sieht es nun mit den erwähnten Stärken im privaten Bereich (Beziehung, Ehe, Lebensgemeinschaft) aus? Wie wirken sie zum Beispiel auf die Person, die mit einer Führungskraft zusammenlebt und mit oben angeführten Stärken „klarkommen muss“…?

Im privaten Bereich (aus der Sicht der Führungskraft):

Selbstbewusstsein / Selbstüberzeugung / Autorität

  • ich habe das Sagen
  • ich habe recht
  • ich kenne mich besser aus

Team Player

  • das Spiel gefällt mir
  • ich muss bloß darauf achten, dass keine/r aus der Reihe tanzt
  • die „Spieler“ müssen sich an die Regel (Abmachungen) halten, sonst funktioniert es nicht

Berufliches Know-how

  • ich weiß was ich weiß, aber zu Hause interessiert das niemanden wirklich
  • soll heißen: das ist dein Bier, da blicke ich sowieso nicht durch, auf deinem  Fachgebiet kenne ich mich nicht aus (meint die andere Person)

Durchsetzungsvermögen

  • ich setze mich durch, das muss ich schließlich auch in der Firma tun
  • ich habe die Erfahrung
  • ich weiß am Besten, was gut für dich/uns ist

Entschlusskraft / Entscheidungsfähigkeit

  • ich entscheide für uns beide
  • ich will ja nur das Allerbeste für dich/euch (ev. Kinder)

Analytische Fähigkeiten / Lösungsorientiert / Konfliktmanagement

  • wer hat die Sache verbockt
  • du hättest es lieber so und so machen müssen – ich habe es dir ja gesagt
  • hoffentlich wirst du zukünftig mehr auf mich hören

Softkills (Einfühlungsvermögen, Verständnis, Toleranz)

  • ich habe im Beruf viel Stress und Verantwortung (nur die Harten kommen durch)
  • ich kann nicht zu Hause auch noch den Softie spielen (wie geht denn das überhaupt?)
  • ich bin die Person, die eher Verständnis und Toleranz braucht (ich tue das alles nur für dich/euch)
  • ich kann mich nicht auch noch um dieses und jenes zu Hause kümmern (keine Zeit)
  • du solltest über dein Problem mit deinen Freundinnen oder Eltern reden (ich will damit nicht belastet werden)
  • ruf mich in der Firma nur an wenn es um Leben und Tod geht
  • bei den Geburtstags- und Weihnachtseinkäufen lasse ich dir freie Hand – alles was du für richtig hältst (ich habe keinen Bock darauf, nach einem stressigen Arbeitstag im überfüllten Einkaufszentrum herumzulaufen)

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Worauf ich hinaus will ist: es ist oft nicht leicht berufliche Stärken in persönlichen Beziehungen (Lebensgemeinschaft, Partnerschaft, Ehe) so zu integrieren, dass unsere anderen Stärken, die manchmal zwar ganz tief, aber dennoch in uns schlummern, nicht auf Dauer unterdrückt werden, sondern diese im Privatleben eher stärker zum Ausdruck gebracht werden. Die Qualifikationen, die man als Führungskraft bitter nötig hat, sind im Privatleben möglicherweise einigermaßen fehl am Platz und haben unter Umständen nur eine beschränkte Berechtigung.

In einer persönlichen Beziehung sollte der Schwerpunkt in erster Linie nicht auf:

  • Dominanz, Autorität (ich habe die Hosen an)
  • Analytik (=Fehlersuche und Kritik)
  • Durchsetzungsvermögen (So machen wir es. Punkt.)

liegen, sondern eher auf:

  • Verständnis (wo drückt der Schuh?)
  • Toleranz, Einfühlungsvermögen (Schulter zum Anlehnen, Trösten, Mitgefühl)
  • Hilfsbereitschaft (du kannst mir doch alles erzählen, wir finden eine Lösung) Entgegenkommen (was sollen wir tun; was schlägst du vor?).

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Anderenfalls könnten Konflikte entstehen, die zu lösen es mehr bedarf, als das man in Führungskräfteseminaren vermittelt bekommt. Für das Konfliktmanagement in privaten Beziehungen wäre mindestens genauso viel Fingerspitzengefühl erforderlich wie es für im Berufsleben entstehende Probleme, Missverständnisse, Unstimmigkeiten mit Kunden oder Mitarbeitern notwendig ist (und welches am laufenden Band praktiziert wird) um den Konsens wieder herzustellen und eventuelle Störungen auf dem Feld des guten Miteinanders zu beheben.

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Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen.

(Franz Grillparzer)


Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

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(Foto  photostock)