Vernetzte Freundschaften

Es ist schlimm, erst dann zu merken, dass man keine Freunde hat, wenn man Freunde nötig hat.

Plutarch (um 46 – um 120), griech. Philosoph u. Schriftsteller

Freunde gibt es viele… den Freund fürs Leben, den Freund von nebenan, den Freund zum Ausgehen, den Brieffreund, die Freunde von Facebook & Co., den Freund in der Not, den Freund, dem man seinen Kummer erzählen kann (vielleicht nicht jeder Freund verträgt so etwas), den Freund für kleine Gefälligkeiten, den Freund der nie nein sagen kann und immer zur Verfügung steht, egal was wir brauchen, den Freund mit dem man Pferde stehlen kann, den Freund, der für unsere Späße immer gut aufgelegt ist, den Freund, der tolerant und niemals beleidigt ist, egal was wir ihm an den Kopf werfen, den Freund, mit dem wir so richtig streiten können, bis die Fetzen fliegen – denn das Versöhnungs-Bier schmeckt danach umso besser.

Sie sehen, es gibt zahlreiche Arten von Freunden – es ist eine große Vielfalt an menschlichen Typologien, die wir oft in unserem Freundeskreis dabei haben. Wir alle haben unsere Kreise – nicht nur in der virtuellen Welt. Wir wissen dann meistens ziemlich genau, mit welchem Anliegen wir uns an welche Freunde wenden können. Damit alle ein bisschen beschäftigt sind🙂. Und das Leben mit vielen Freunden zu teilen ist allemal abwechslungsreich. Jeder hat etwas zu erzählen, sei es über andere Freunde – die (noch) nicht in unseren Kreisen sind – über Reisen, Neuanschaffungen, Herzensangelegenheiten,  Trennungen, Kinder, Eltern, Geschwister, neue Sportarten, Kneipen und Restaurants, coole Seiten im Internet, neue Apps für die Smartphones, über tolle Musik für den MP3-Player, Konzerte, Bands… vielleicht auch über Bücher(?), die man vor kurzem gelesen hat… und so weiter und so fort… Auf jedem Fall ist man mit Gesprächsstoff gut versorgt – es ist immer etwas los.

Früher sagte man öfters: Die wahren Freunde kannst du an einer Hand abzählen. Oder: Je weniger Freunde man hat, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese ehrlich und zuverlässig sind. Aber früher hat man auch nicht so schnell Freundschaften geschlossen, wie heute. Früher wurde nicht gleich jeder, mit dem man ein Paar Mal flüchtig sprach, gleich als guten Freund tituliert. Ein guter Freund zu sein, hatte eine tiefgründigere Bedeutung. Na ja… die Zeiten ändern sich eben…

Ich denke auch, dass es den so genannten wahren Freund in der heutigen Zeit möglicherweise nicht mehr so oft gibt. Freundschaften, die 20, 30, 40 Jahre überdauern, gehören immer mehr zur Seltenheit. Eltern, Großeltern können mehr darüber berichten, wie es ist, von einem oder ganz wenigen wahren Freunden durch Dick und Dünn im Leben begleitet zu werden. Wie es ist, wirklich treue und zuverlässige Freunde zu haben. Es stimmt – damals gab es nicht solche zahlreiche Möglichkeiten, wie heute. Die Interessen waren dadurch nicht so weit gefächert und weniger unterschiedlich. Ein wahrer Freund würde sich heutzutage wahrscheinlich überfordert fühlen, alle unsere Interessensgebiete abzudecken – wir benötigen auch andere, spezifische Kreise von Freunden, die wir je nach Interessen und Themengebieten in Gruppen einteilen können. Wenn wir bei etwas Hilfe benötigen, haben wir bereits Verteiler für einzelne Kreise oder Gruppen in unseren Mobiltelefonen oder Notebooks gespeichert, so dass wir den Hilfeschrei schnell und effizient an die richtige Gruppe senden können. Weil irgendjemand wird sich schon auskennen…

Hm…. früher hat man eben mal kurz zum wahren Freund hinübertelefoniert – jawohl, vom Festnetz aus oder ganz modern damals, mit dem Autotelefon (!), wenn man viel unterwegs war – heute ist man wohl on the go🙂. Dann rief man vielleicht einen zweiten und einen dritten guten Freund an und wenn einem keiner helfen konnte, musste man sich eben eine andere Lösung für das Problem einfallen lassen. In solchen Fällen war das Einfallsreichtum gefragt.

Heute sind wir in dieser Hinsicht entspannter, denn wir haben viele Kreise von Freunden, in denen wir mit ziemlicher Sicherheit immer einen Freund finden, der gerade auf unser jeweiliges Anliegen spezialisiert ist und uns – ohne dass wir ins Schwitzen kommen müssen – rasch und relativ mühelos helfen kann. Es lebe die vernetzte Freundschaft – eine tolle Sache, die alle bejahen werden, die die Vielfältigkeit des Lebens auskosten möchten.

Ein schönes Buch nicht wieder lesen, weil man es schon gelesen hat, das ist, als ob man einen teuren Freund nicht wieder besuchen würde, weil man sich schon kennt. Übrigens – ein gutes Buch, einen guten Freund, die lernt man nicht aus. Ein weises Buch ist ebenso unergründlich wie ein großes Menschenherz.

(Marie Ebner von Eschenbach)

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

… hier  sind meine Kreise🙂

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