Die Suche nach Schönheit

Foto Copyright © 2009 Sunelly Sims

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Man hat das Gefühl, dass alles um uns herum immer mehr verroht und abstumpft. Unsere Städte sind kalt und abweisend. Wir zwingen der Umwelt unseren Stempel auf und betreiben Raubbau mit der Natur. Aggression ist Trumpf – in der Ellenbogenwelt der Wirtschaft, im Hauen und Stechen des Berufalltags, an Schulen und Universitäten, aber auch zu Hause und in der Feizeit.

Überall wird lieblos miteinander umgegangen. Es geht um den persönlichen  Profit und um Macht. Rücksichtslosigkeit ist an der Tagesordnung. Wie soll in einem solchen Klima der Intoleranz, des Neids und der Missgunst die Schönheit eine Chance haben? Eine fatale Entwicklung. Denn nur durch die Präsenz der Schönheit erwacht in uns die Sehnsucht nach dem Guten. Und die Liebe führt uns auf den Grund der wahren Schönheit und zu einer tieferen Wahrnehmung: der Großartigkeit der Schöpfung.

Die Suche nach Schönheit ist also berechtigt. Mehr noch: sie ist lebensnotwendig. Die Schönheit entspringt der Ewigkeit und sie verwandelt unsere Zeit in einen kostbaren Stoff. Letztlich sehnt sich  der Mensch nach Ewigkeit. Unsere Gedanken sind frei und können zwischen der Vergangenheit und der Zukunft reisen. In unser Streben nach Schönheit mischt sich also immer ein Hauch Sentimentalität, weil wir die Schönheit in der Gegenwart so richtig nicht festzuhalten vermögen.

Es ist wichtig, dass wir Vertrauen haben in das Sein, dass wir uns nicht fremd bestimmen lassen, sondern uns darauf besinnen, mit uns selbst identisch zu sein. Ist es unser Schicksal, eine bereits beschlossen Sache, unseren vorgezeichneten Weg zu gehen? Meist erkennen wir dies erst im Blick zurück. Da sind wir ewig durch eine Wüste gewandert und plötzlich hat sich wie von Zauberhand eine Weiche gestellt. Auf einmal läuft, was sich vorher keinen Millimeter bewegen ließ.

Es ist schön, dass solche Weichenstellungen ganz spontan vonstatten zu gehen scheinen; meistens dann, wenn wir in unserer Entmutigung nicht mehr weiterwissen, gibt uns das Schicksal einen Wink.

Reisen bedeutet, sich auf etwas Neues einzulassen. Mit Haut und Haar. Etwas von sich preiszugeben. Schutzlos und verletzlich zu sein. Wer einen Panzer um sich trägt und nichts an sich heran lässt, wird auch nicht viel erleben. Wer bereit ist, Altbekanntes abzulegen, sich frei zu machen vom Ballast, kann sie hören, die innere Stimme.

(Aus dem Buch: Der duftende Hafen und andere Geheimnisse von Gerd Giesler)

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Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.

(Christian Morgenstern)

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Liebe Grüße,

Sunelly Sims

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