Freiheit und Reichtum – wohin rast der Zug…?

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

(Jean-Jacques Rousseau)

Freiheit… Ein Begriff, den die meisten Menschen unterschiedlich definieren. So ähnlich wie das Wort Reichtum. Für jeden Einzelnen bedeutet etwas anderes. Wir könnten auch meinen, Freiheit ist Reichtum. Aber auch umgekehrt: Reichtum ist Freiheit.

Was hat Freiheit mit Reichtum zu tun? – fragen Sie jetzt bestimmt. Warum ist Freiheit Reichtum? Wir könnten es folgenderweise erklären: es macht mein Leben reicher – es bereichert mein Leben – wenn ich frei bin, wenn ich in Freiheit leben kann. Man könnte doch meinen, wir wären alle frei, denn der Großteil der Bevölkerung muss nicht im Gefängnis leben. Oder ist dies eine veralterte Definition von Freiheit? Wir können/dürfen unser Leben in Freiheit genießen – wieso haben dennoch immer mehr Menschen das Gefühl nicht richtig frei zu sein? Wir stöhnen, wir jammern, wir laufen im Hamsterrad, das uns die Luft zum Atmen raubt und es ist niemand da, der auf die Stopp-Taste drückt.

Die Geschwindigkeit des Rades nimmt immer mehr zu, denn es sind viele Aufgaben, die wir im täglichen Leben erfüllen müssen – und diese auch noch möglichst perfekt um eine Entgleisung des Zuges – den wir selbst fahren und steuern – zu vermeiden. Der Vergleich mit einem Zug hat interessante Aspekte. Zuerst springen wir auf einen Zug, der uns, unserem Urteil nach, in die richtige Richtung fahren sollte. Oft ergibt sich das durch eine spontane Entscheidung (Bauchgefühl!) – manchmal erfolgt es nach reiflichen Überlegungen. Wie auch immer… wir sitzen nun in unserem Lebenszug, mit all unseren Hoffnungen, Sehnsüchten. Zuerst fahren wir langsam, denn wir sind etwas unsicher, ob es wirklich richtig war diesen Zug zu wählen.

Irgendwann erhöhen wir die Geschwindigkeit – wir wollen ja ans Ziel kommen. Wir müssen uns auf den Weg konzentrieren, den Zug auf den Gleisen halten. Der Weg, den wir vor uns haben zieht sich in die Länge – wir sehen steinige, karge Landschaften vorbeiziehen. All das baut uns nicht sonderlich auf – im Gegenteil: unsere Zweifel suchen uns wieder  heim. Hätte ich doch lieber… vielleicht wäre es besser gewesen, wenn…

Aber der Zug rast weiter – er beschert uns laufend neue Erfahrungen, er konfrontiert uns mit Hindernissen. Die Zugfahrt gestaltet sich oft immer mühsamer, anstrengender. Der Zug rast. Die Räder rattern. Wir fühlen uns eingeengt, durch das rasante Tempo bekommen wir Kopf- oder Magenschmerzen. Wir kämpfen mit unseren Zweifeln – wo sind unser Mut und die Zuversicht, die wir hatten, geblieben…? Aber der Zug hat sich längst in ein Hamsterrad verwandelt, aus dem wir ausbrechen würden, wenn wir genau wüssten, wie. Längst ist alles zur Gewohnheit geworden – wir ächzen und stöhnen – die Räder rattern. Die Pflichten, die Verantwortung, die uns die Zugfahrt unterwegs beschert, scheinen uns zu erdrücken.

Wir haben immer öfter das Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann – wir brauchen einen anderen Zug! Wo ist er denn? Wir möchten auf einen anderen Zug raufspringen um die ursprünglich eingeschlagene Richtung zu wechseln. Wir überlegen, was wir ändern möchten. Wir sind verzweifelt und meistens wissen wir nur, womit wir auf keinen Fall mehr weiter machen wollen. Ich will das nicht mehr! Das kann doch nicht alles im Leben gewesen sein! – Frust macht sich in uns breit, unser innerer Widerstand wächst von Tag zu Tag. Wir bleiben in Gedanken immer wieder in Situationen stecken, die wir (noch) täglich erleben müssen – aber wir wollen das alles doch nicht mehr…! Was möchten wir dann? Wir wissen es nicht gleich – es fällt uns nichts ein, denn die kreative Energie, die zur Entstehung neuer Ideen im Geiste notwendig wäre, ist durch den inneren Widerstand und den Frust im höchsten Maß blockiert. Die kreative Energie kann in unserem Inneren nicht fließen – wir sind nicht im Fluss (panta rhei).

Der Zug fährt unaufhaltsam weiter – er kennt nur unser ursprüngliches Ziel. Dass wir auf den zuerst gewählten Weg mit ihm mittlerweile nicht mehr fahren wollen, weiß er noch nicht. Er hat (noch) keine Signale von uns bekommen, was er tun soll: bremsen, stehen bleiben oder einfach die Richtung wechseln? Der Zug ist eine Maschine, er kann nicht denken – er weiß nicht, was für uns richtig ist. Welchen Weg wir auch wählen, seine Aufgabe ist es, uns ans Ziel zu bringen. Sein Fahrplan beinhaltet dem gewählten Weg entsprechende Erfahrungen (gute und weniger gute) und Hindernisse (kleinere und große).

Wir sitzen zwar in unserem rasenden Zug, aber die gute Nachricht ist: wir haben immer das Kommando. Wir sind die Zugführer. So lange wir selbst nicht genau wissen, in welcher anderen Richtung wir fahren möchten – es gibt ja unendlich viele Straßen und Wege – wird unser Zug auf den ursprünglich gewählten Weg weiter fahren.

Spätestens dann, wenn uns wirklich alles gegen den Strich geht – sollten wir uns damit befassen, darüber nachzudenken, ob es eine andere Richtung für uns gibt, die wir lieber einschlagen möchten. Anstatt in einem rasenden Zug zu verharren, der die Situation, die wir ohnehin kaum mehr ertragen können, durch seiner zunehmenden Geschwindigkeit noch mehr verstärkt und uns irgendwann durch gewisse Ereignisse, Erfahrungen sowieso zum finalen Akt zwingt: ABSPRUNG!

Und was hat all das mit Freiheit und Reichtum zu tun?

Wir sind frei, auch wenn es uns oft vorkommt, während der rasanten Zugfahrt unserer Freiheit beraubt zu sein. Wir sind frei, weil wir selbst  die Einzigen sind, die das Tempo drosseln oder die Richtung des Zuges ändern können. Wenn wir es nicht selbst tun, dann wird irgendwann jemand anderer oder etwas anderes (negatives Ereignis) auf die Stopp-Taste drücken, so dass wir spätestens dann gezwungen sind, uns eine neue Richtung zu überlegen. Wir sind frei, weil wir damit nicht bis zu diesem bitteren Augenblick warten müssen. Wir haben die Freiheit, weil wir jetzt eine neue Entscheidung treffen können um den eingeschlagen Weg zu ändern.

Und wir sind reich, weil wir diese Freiheit haben. Die Freiheit der Wahl, die wiederum mehr Reichtum unserem Leben schenkt. Dann sind wir reich, weil wir frei sind.

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

Wunschlos glücklich?

Mut zur Veränderung!

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