Das Leben – ein Kampf…?

Sechs Wörtchen nehmen mich in Anspruch jeden Tag: 

ich soll,

ich muss,

ich kann,

ich will,

ich darf,

ich mag.

 (Friedrich Rückert, 1788-1866 dt. Dichter)

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Haben Sie auch diese sechs Wörtchen im täglichen Gebrauch?

Brauchen wir wirklich alle sechs oder würden uns auch die letzten vier reichen…?

Es wäre doch toll, wenn wir jeden Tag unseres Leben mit: – ich will – ich mag – ich kann – ich darf – beginnen würden – und zwar in dieser Reihenfolge. Wenn wir die ersten zwei Wörtchen aus dem Zitat einfach streichen würden. Was wir sollen, was wir müssen. Zwei Wörtchen, die uns  das Leben oft schwer machen. Es gibt viele Menschen, die im Laufe der Zeit gelernt haben sich überhaupt nur mit diesen zwei Wörtchen (soll/muss) zu arrangieren. Die anderen Vier werden höchstens nur am Wochenende oder im Urlaub verwendet.

Es ist auch interessant (oder eher erschreckend?) wie oft man ich soll/ich muss in Gesprächen mit anderen Menschen zu hören bekommt. Sie scheinen bereits zur Gewohnheit geworden zu sein für die meisten Aktivitäten, die in unserem Leben fest integriert sind. Als bestünde unser Dasein nur mehr aus soll und muss. Es zeigt auch, dass offensichtlich viele unter uns die Freude am eigenen Leben verloren haben – sie fühlen sich ausgelaugt, erschöpft, gestresst, kraftlos. Da bleibt nicht viel Raum für die positiven Wörtchen – ich mag, darf, will und kann – die doch das Leben erträglicher, fröhlicher, lebenswerter machen würden.

Wenn man sogar hört, wie jemand sagt: „Ich muss etwas essen, ich habe heute nicht einmal gefrühstückt…“ – ja, das stimmt, essen müssen wir, wenn wir einen harten Arbeitstag durchstehen wollen und anschließend auch noch für die Familie da sein müssen (schon wieder!). Aber müssen! Was müssen und sollen wir noch alles…?  Wie können wir es bewerkstelligen, den anderen vier Wörtchen mehr Raum in unserem Leben zu geben, während die Worte müssen und sollen eher in den Hintergrund gedrängt werden?

Wir bürden uns zu viel Verantwortung auf, zu viel Druck von Außen lastet auf unserer Schulter. Die Anforderungen sind höher, die Konkurrenz, der Wettbewerb werden immer stärker – es reicht nicht mehr nur zu genügen, wir müssen wirklich gut sein, wenn wir nicht untergehen wollen und einen gewissen Lebensstandard bewahren möchten. Nur die Harten kommen durch – hören wir oft und gleichzeitig wird unserem Unterbewusstsein signalisiert dass wir noch mehr und härter kämpfen müssen wenn wir unseren Mann stehen wollen. Hier ein zweites Beispiel für unsere Kämpfernatur, wenn wir zum Beispiel jemanden nach dem Wohlbefinden befragen: „Wie geht es Dir? Danke, geht so… ich kämpfe mich durch…“

Wir hören diese Worte, aber wir nehmen sie schon gar nicht mehr richtig war – schon zu oft gehört…  so oft, dass es keine tiefere Bedeutung mehr für uns hat. Schließlich müssen wir alle kämpfen, wenn wir unser Leben meistern wollen. Als hätten wir mit müssen und sollen noch nicht genug am Hals –  nein, kämpfen auch noch…!

Abends, vor dem Schlafen gehen denken wir auch schon an den bevorstehenden, neuen Tag, was wir alles unbedingt schaffen, erledigen, fertig machen müssen und sollen. Weil kämpfen müssen wir ja sowieso. Das ist ja klar.

Wir kämpfen für ein besseres Leben – auch wenn wir dabei in Wahrheit uns selbst bekämpfen. Unser Selbst, das eigentlich gar nicht kämpfen will. Es ist des Kämpfens müde geworden und sehnt sich danach, besser behandelt zu werden. Auch wenn es heißt, auf Andere nicht immer und überall so viel Rücksicht mehr zu nehmen. Unser Selbst würde so gerne die Waffen endlich niederlegen und den Frieden, den ihm nur wir geben können, genießen. Es schreit nach mehr inneren Harmonie, Ruhe, Freude und Glücksgefühl um nicht später irgendwann (in der Rente?) vor lauter Kämpfen kapitulieren zu müssen und ernsthaft krank zu werden.

Falls Letzteres geschieht, werden wir ganz andere Waffen (Medikamente und Behandlungen) brauchen um das, was uns das jahrzehntelange Kämpfen eingebrockt hat zu besiegen um den Rest unseres Lebens möglichst kampflos verbringen zu können.

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

Wünsch Dir was!

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(Foto: Ambro)