Wenn der Tag des Morgens beginnt…

Das Wichtigste in unserem Leben ist das Morgen. Um Mitternacht kommt der junge Tag, rein und unbefleckt, und begibt sich in unsere Hände, hoffend, dass wir vom Gestern gelernt haben.

(John Wayne, 1907-79)

Nun, der heutige Tag geht bald zu Ende – aber wir haben noch ein Paar Stunden um nachzudenken und Bilanz zu ziehen. Haben wir heute etwas vom Gestern gelernt? Oder war unser heutiger Tag wie jeder anderer auch – ohne besondere Ereignisse und Erkenntnisse.

Jeder neuer Tag bringt neue Chancen – sagt man. Wir hören diesen Satz ziemlich oft, nur eigentlich wissen wir in Wahrheit nicht viel damit anzufangen. Was soll schon groß passieren…? All-Tag – soll doch heißen, dass all die Tage irgendwie gleich sind. Das Hamsterrad dreht sich und wir laufen eifrig unsere Runden – oft bis zur Erschöpfung. Im All-Tag sind viele von uns mit Belastungen konfrontiert, sei es im Beruf, in der Familie oder in sonstigen persönlichen Angelegenheiten.

Darüber hinaus dürfen wir auch die Vergangenheit nicht außer Acht lassen, denn sie ist ein treuer Begleiter der meisten Menschen Tag täglich. Ja, ja… die Vergangenheit wird man eben nicht so schnell los…! Auch sie belastet uns – sie ist gefüllt mit verschiedenen Ingredienzien – schöne, erinnernswerte aber auch negative, deprimierende oder Angst machende Zutaten sind dabei. Wir verbringen sehr oft noch immer viel zu viel Zeit in unserer Vergangenheit, ohne dass es uns richtig bewusst ist.

Wie sollen wir dann ans Morgen denken? Es ist ja auch anstrengend, denn wir wissen noch  nicht, was der Morgen bringt. Was wir aber meistens wissen zu scheinen ist, dass wir auf gar keinen Fall wollen, dass sich bestimmte (negative) Ereignisse oder Enttäuschungen – die wir Gestern (Vergangenheit)  oder vielleicht gerade heute (?) erlebt hatten – wiederholen. Nein, das wollen wir mit Sicherheit nicht – wir wollen unter keinen Umständen wieder geärgert, verbal angegriffen, gemobbt, verletzt, betrogen oder dermaßen enttäuscht werden wie Gestern (Vergangenheit)…! Oder vielleicht wie heute ?

Das ist auch in Ordnung – schließlich sollte jeder wissen, was er will oder nicht will.  Du musst doch wissen, was du willst! – hören wir auch oft, wenn wir vielleicht mal von der Spur abgekommen sind (not on track) und ein wenig ziellos, orientierungslos herumlaufen..

Es wäre jedoch gar nicht so schwierig die Orientierung zurück zu gewinnen. Es gibt zwischen Gestern und Morgen einen gravierenden Unterschied.

Gestern (Vergangenheit) =

Wenn wir Gestern (Vergangenheit)  etwas erlebt hatten, das uns keine angenehme, gute Erfahrung  beschert hat, dann wissen wir wenigstens, dass wir Morgen (Zukunft) unter gar keinen Umständen so etwas wieder durchmachen wollen.

Morgen (Zukunft) =

Wir haben vom Gestern gelernt, wir wissen jetzt, dass wir eine bestimmte (negative) Sache nie wieder erleben möchten. Nachdem das Gestern seine Aufgabe erfüllt hat – wir haben daraus unsere Lehre gezogen, wir haben vom Gestern gelernt – hat das Morgen ganz andere Zuständigkeiten. Da müssen wir schon eine Abteilung weiter gehen. Dort sehen wir dann, dass in dieser Abteilung (Morgen) lauter unbeschriebene Blätter herumliegen. Es sind weiße, reine Papierstapel, noch niemand von uns hat irgendetwas draufgekritzelt oder diese gar voll geschrieben.

Wir haben jetzt die Möglichkeit zu entscheiden, was am Ende des Tages auf den Blättern stehen soll. Wir haben die Wahl: sollen wieder die gleichen (negativen) Dinge, Geschehnisse, Vorkommnisse, Erlebnisse darauf geschrieben werden? Oder lieber nur das positive Gegenteil von den (negativen) Erfahrungen, die wir bereits Gestern (Vergangenheit) gemacht hatten?

Wenn wir keine Wiederholung des Gestern möchten, sollten wir uns selbst fragen, mit welchen (positiven) Erfahrungen die noch unbeschriebenen Blätter des Morgens beschriftet werden könnten. Uns ausschließlich darauf konzentrieren, was wir Morgen erleben möchten – und im Geiste sofort mit dem Schreiben beginnen.

Nach Mitternacht beginnt der Tag des Morgens – noch sind die weißen Blätter unberührt und unbenutzt. Es liegt an uns – wenn wir wollen, könnte der Morgen das Gegenteil vom Gestern sein. Wenn wir wollen, könnten wir die unschönen Erlebnisse des Gestern loslassen um sie nicht auch noch auf die unbefleckten Blätter des Morgens zu übertragen

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims

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(Foto:  Chaiwat)